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13.04.2016 Von: Annemarie Schmidt-Pfister

Küsnachter

Der Maler und seine Muse


Hannelore Fischer Knuth, Gerhard Dorfer und Angelika-Ditha Morosowa (v.l.) im Küsnachter Seehof. Foto: Annemarie Schmidt-Pfister

Zu einem Treffen mit Egon Schiele und seiner Muse Wally Neuzil lud die Gemeinde Küsnacht im Namen der in Küsnacht wohnhaften Schauspielerin und Autorin Hannelore Fischer Knuth am letzten Freitag in den Seehof.

Eine «szenische Lesung» war angekündigt mit den Schauspielern Hannelore Fischer Knuth, Gerhard Dorfer und Angelika-Ditha Morosowa – ein literarisches Kabinettstück wurde daraus, ganz im Sinn der Autorin, die ihr Bändchen über Egon Schiele und Wally Neuzil ein «Dramolett» nennt. Ein Winzig-Drama also, um einen der berühmtesten Maler Österreichs, den Expressionisten Egon Schiele, und seine Muse und Geliebte Wally Neuzil. Verstrickt und verworren die Handlung, die Schauspieler Gerhard Dorfer – den Anwesenden als Hofrat Putner aus dem «Tatort» bekannt – anfangs sozusagen kriminologisch aufzudröseln versuchte. Das gab er allerdings mit schelmischem Lächeln schon bald auf: «Egal, Sie werden schon irgendwie drauskommen», versprach er.

Dem Text Leben eingehaucht 
Und man kam draus, auch wenn es nicht immer ganz einfach war: Autorin Hannelore Fischer Knuth hatte nämlich den klassischen Plot vom Maler und seiner Muse, an sich schon «dramolettig» genug, mit Fantasie und «Wiener Schmäh» angereichert: Zu Wally und ihrem «Ego» (wie Walburga Neuzil Schiele nannte) gesellen sich die hundert Jahre später geborenen Nina von Kaschnitzky und Paul Ringel, Tänzerin-Schauspielerin die eine, Filmregisseur der andere. Was sich daraus auf unterschiedlichen und dennoch verquickten Ebenen ent- und verwickelt, lag an diesem Abend nicht nur in der Fantasie der Autorin, sondern auch im Belieben und in der mitreissenden Gestaltungskraft der drei Protagonisten: Grandios die mal liebenswertverschmitzte, mal poltrig-schielesche Interpretation von Gerhard Dorfer mit seinem wunderbaren Wiener Charme und Akzent, den natürlich auch Hannelore Fischer Knuth bestens beherrscht. Eher sachlich zurückhaltend ihrerseits Angelika-Ditha Morosowa. Alle drei gehörten sie gemeinsam über Jahre hinweg zum Ensemble des Zürcher Schauspielhauses. 
Es wurde – in all den historischzeitlich überlagerten Wirrungen und Verstrickungen – eine heiter-vergnügliche szenische Lesung mit klarem Akzent auf dem Szenischen. Immer wieder wundersam, wie geschriebener Text im gesprochenen Wort anfängt zu leben, wenn er von guten Schauspielern vorgetragen wird! 
Wer umgekehrt dem Szenischen die vertiefende Lektüre folgen lassen möchte, greife nachträglich oder stattdessen zum Buch. Die Journalistin hat dies noch am gleichen Abend mit grossem Gewinn getan.

 

Besprechung der Lesung aus Hannelore Fischers "Wolkenhund" in Küsnacht. Gelesen von der Autorin, Anna Karger und Angelika - Ditha  Morosowa

 


KULTUR / AKTUELL Küsnachter Nr. 16 18. April 2013

Was bietet sich bei drei Protagonistinnen mehr an, als dass auch ein Trio die unterschiedlichen Charaktere zum Leben erweckt? Um das Leben geht es an diesem Abend in der Küsnachter Buchhandlung Wolf jedoch weniger, eher der Tod ist einThema, oder wie man – beziehungsweise doch wohl eher Frau – diesen gewaltsam herbeiführen kann.


Gewaltsam mag es im Fall der Herren, die in «Wolkenhund» das Zeitliche segnen, zwar zu und hergehen, aber das Ziel besteht darin, den möglichst perfekten, also unentdeckten, Mord zu begehen. Doch gemach, denn zu Beginn des Buches geht es noch nicht um das mörderische Tun, sondern um das erste Zusammentreffen der drei Damen. Eine Szene am Silser See, welche Fischer, Karger und Morosova perfekt aufeinander abgestimmt zum Besten gaben.


Im Engadin treffen die berühmte italienische Schauspielerin Eleonora Duse und die Königin der Kriminalschriftsteller Agatha Christie aufeinander – komplettiert wird das Duo durch I.A., eine ebenso impulsive wie mysteriöse junge Schweizerin. Wer genau hinter den Initialen I.A. steckt, zeichnet sich im Laufe des Buches immer deutlicher ab. Eines weiss Agatha Christie indes ziemlich bald in Bezug auf I.A.: «Sie, ja Sie sind es! Ich habe Sie schon lange gesucht. Sie sind meine nächste Mörderin!»


Während Eleonora Duse und Agatha Christie bereits zu Beginn des Buches durch die leidvollen Erfahrungen mit ihren Partnern, oder besser gesagt, Expartnern, Archibald Christie und Gabriele d’Annunzio, ihr Schicksal teilen, ist die junge I.A. zu diesem Zeitpunkt noch guten Mutes.
Sie ist der festen Überzeugung, dass sie mit ihrem Verlobten «Ischti» glücklich werden wird. Eine Hoffnung, die sich alsbald als Trugschluss erweisen wird – dies nicht zum Vorteil Ischtis.


Nietzsche ist schuld ...
Schon von Beginn weg schaffen es die drei Lesenden, den Protagonistinnen eine individuelle Stimme zu verleihen. Wenn Karger, mit Zornesfalte im Gesicht, «er hat mir alles genommen!» hervorstösst, ist dies an Dramatik kaum zu überbieten: Die Duse scheint wieder lebendig zu werden. Agatha Christie, wird von Angelika Ditha Morosowa zwar weniger leidenschaftlich und eher raffiniert dargestellt – schliesslich handelt es sich um eine englische Lady und nicht um ein italienisches Temperamentsbündel –, doch auch sie hat ihre Emotionen nicht immer im Griff, wenn es um die Herren der Schöpfung geht. «You bloody fool», beschimpft sie ihren Gatten Archibald und lässt ihre Wut an der Ursache alles Übels aus – in den Augen der Frauen ist dies kein Geringerer als Friedrich Nietzsche.
War es schliesslich nicht Nietzsche, der geschrieben hat: «Wenn Du zum
Weibe gehst, vergiss die Peitsche nicht»?


«Er ist ein ganz schlechtes Vorbild für unsere Männer», erheben sowohl die Duse als auch Agatha Christie Vorwürfe gegen den Philosophen und malträtieren den Nietzsche-Felsen. Doch Autorin Fischer lässt es nicht zu, dass Nietzsche nur negativ haften bleibt, denn auch mit dem Zitat «Doch alle Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit» taucht er immer wieder auf. Nicht zuletzt ist es dieser Spruch, den I.A. auf den Lippen hat, als sie nach vierzig Jahren wieder auf Agatha Christie trifft. Auch Eleonora Duse ist bei diesem Treffen präsent, zwar ist sie ein Jahr zuvor gestorben, doch da ihre beiden Freundinnen eine Ausstellung zu ihren Ehren besuchen, lächelt sie den beiden von der Leinwand aus zu.


Fiktives und Historie
Gerade dadurch, dass sie eben im Gegensatz zu den anderen beiden Figuren fiktiv zu sein scheint, ist I.A. die eigentliche Hauptperson. Da überrascht es auch nicht, dass sie bei der Lesung von ihrer Schöpferin Hannelore Fischer wiedergegeben wurde.


Die Wiener Schriftstellerin und Schauspielerin verleiht I.A. eine verschmitzte Ader, die beim Hören noch viel ersichtlicher wird als beim schlichten Lesen. «Wir hatten beide das Gefühl das muss die Hannelore sein. Sie ist das Geheimnis des Buches», verrät Anna Karger in Bezug auf die Rolle der I.A. Doch auch I.A. ist nicht alleine das Produkt von Hannelore Fischers Fantasie. «Die gibt es, die kenne ich», verrät Fischer über ihre Protagonistin mit dem beknopften Schlapphut. Mehr will die Witwe von Klaus Knuth allerdings nicht preisgeben. «Die Figuren kommen einfach auf mich zu, sie verselbstständigen sich», erklärt Fischer die Entstehung ihrer literarischen Werke. Auch wenn die Duse und Agatha Christie reale Personen der Weltgeschichte sind, die mörderische Geschichte, in die Hannelore Fischer sie verfrachtet hat, ist fiktiv.


Schliesslich kann Eleonora Duse ihren Geliebten, Gabriele d’Annunzio, gar nicht ungebracht haben, starb er doch 14 Jahre nach der Duse. Archibald Christie freilich starb 14 Jahre vor seiner Gemahlin ..


Ein mörderisches Trio amüsiert Küsnacht
Philippa Schmidt
Die Männer kommen in Hannelore Fischers Buch
«Wolkenhund» nicht gut weg. In einer szenischen
Lesung präsentierte die in Küsnacht wohnhafte Autorin

gemeinsam mit den Schauspielerinnen Anna Karger

und Angelika-Ditha Morosowa ihre mörderische Erzählung.
Hannelore Fischer: Wolkenhund,

ISBN 978-3990280416
 

 

Morosowahttp://neu.lokalinfo.ch/uploads/media/KS_18042013.pdf

 

FabrikZeitung 84/92
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